StickerkulturFanturf Redaktion

Die Geschichte der Fanaufkleber

Es gibt keinen einzelnen Erfinder oder Startpunkt. Fanaufkleber entstanden dort, wo selbstklebende Etiketten, politische Straßenkommunikation, Fanzines, Kurvengrafik, günstiger Druck und Auswärtsreisen zusammentrafen.

Vom Etikett zur Fankultur

Klebeetiketten kennzeichneten zunächst Preise und Waren. Im 20. Jahrhundert wurden sie auch für Werbung und Politik genutzt. Alex Awcock datiert den politischen Stickereinsatz in die frühen 1970er und versteht Anbringen, Verbleib und Entfernen als alltägliche Stadtpolitik. Auch Fußballfans markieren damit Präsenz (Edinburgh, Area).

Die Fußballkultur kannte längst Flugblätter, Anstecker, Schals und Fanzines. Die ab Ende der 1960er in Italien entstehende Ultrakultur ergänzte Banner, Fahnen, Gruppenembleme und Choreografien. Sticker trugen diese Bildsprache aus der Kurve in die Stadt. Günstige Kopierer, Desktop-Design und Kleinauflagen beschleunigten die Verbreitung besonders in den 1990er-Jahren (Lower Block).

Auswärtsfahrten verbanden Bahnhöfe, Raststätten, Fähren, Kneipen und Stadionstraßen zu einem Netzwerk. Matt Johnson fotografiert dieses vergängliche Archiv seit einem Fund im Jahr 2006 (When Saturday Comes). Motive entwickelten sich von Wappen zu Parodien, Erinnerungen, Bündnissen, Rivalitäten und Protest gegen Eigentümer.

Irmi Wachendorff analysierte 5.156 georeferenzierte, selbstautorisierte Sticker aus 25.504 Fotos von 2012 und 2013 nach Ort, Sprache, Herstellung, Farbe und Typografie. So wird ein vergängliches Objekt zum Forschungsgegenstand über Fußball, Politik und Ort (ResearchGate). Die Geschichte bleibt lückenhaft, weil ihre Objekte billig, inoffiziell und schnell entfernt sind. Dokumentation muss Solidarität und Humor ebenso bewahren wie Konflikt und Diskriminierung, ohne Botschaften gutzuheißen.

Quellen